Bereits über 400 Stromanbieter werden Anfang 2019 eine Strompreiserhöhung durchführen

Mit Beginn des neuen Jahres wird mindestens jeder 3. Stromlieferant in Deutschland seinen Strompreis erneut anheben. Durchschnittlich beträgt die Strompreiserhöhung 5,3 Prozent und betrifft dieses Mal am stärksten die Länder Bayern und Baden-Württemberg. Betrachtet man die privaten Verbraucher so bezahlen wir einschließlich der monatlichen Grundgebühr bei einem Jahresverbauch von ca. 4.000 kWh in den meisten Fällen mehr als 30 Cent pro Kilowattstunde Strom. Rückblickend auf das Jahr 2000 mit einem durchschnittlichen Strompreis von ca. 14 Cent pro Kilowattstunde Strom, hat sich in diesem Zeitraum der Strompreis mehr als verdoppelt!

Wissen Sie, wie sich unser Strompreis für 2019 zusammensetzt?

Mehr als die Hälfte des Strompreises für Haushaltskunden sind Steuern, Abgaben und Umlagen. Hierunter fallen die EEG-Umlage, wurde im Jahr 2000 mit dem Erneuerbaren Energien Gesetz eingeführt und gleicht den Strompreis zwischen konventionellen und Erneuerbaren Energiequellen aus. Die EEG-Umlage wird jährlich festgelegt, wird in 2019 6,405 Cent pro kWh betragen und ist anteilig damit der höchste Posten. Die KWK-Umlage entstammt dem Kraft-Wärme-Koppelungsgesetz KWKG aus dem Jahr 2002 beträgt in 2019 0,28 Cent pro kWh und dient der Förderung aus Strom aus Kraft-Wärme-Kopplungsanlagen.

Seit 2012 wurde zum Ausgleich von Netzentgeltbefreiungen der stromintensiven Unternehmungen die Abgabe nach §19 Abs. 2 Strom NEV (Stromnetzentgeltverordnung) eingeführt und beträgt 2019 0,305 Cent pro kWh. Es geht weiter mit der Offshore-Haftungsumlage. Diese wurde 2013 im Energiewirtschaftsgesetzt unter §17f EnWG eingeführt um eventuelle Schadensersatzkosten von Offshore-Windparks zu decken. Das sind mögliche Kosten, die entstehen können durch verspäteten Anschluss von Offshore Windparks an die Übertragungsnetze an Land oder durch Netzunterbrechungen länger als 10 Tage durch Wartungen oder Störungen. Es sei hier noch erwähnt, dass als Offshore Windparks die Windparks bezeichnet werden, die im küstennahen Meer errichtet werden.

Diese Abgabe wird in 2019 als einzige der genannten Posten erhöht und beträgt dann 0,416 Cent pro kWh. Die zuletzt eingeführte Umlage im Jahr 2014 ist die Umlage für abschaltbare Lasten und beträgt in 2019 0,005 Cent pro kWh. Diese dient für Kosten der Netz- und Systemstabilität durch abschaltbare Lasten.
Zu den beiden Steuern bei Ihrem Strompreis gehören die Stromsteuer mit 2,05 Cent je kWh und die Umsatzsteuer. Beide sind in 2019 unverändert.

Jetzt fehlen nur noch die Konzessionsabgabe und Netzentgelte. Die Konzessionsabgabe erhält die jeweilige Kommune, gestaltet sich je nach Größe (Einwohnerzahl) der Kommune und beträgt zwischen 1,32 Cent und 1,99 Cent pro kWh. Diese wurde im Energiewirtschaftsgesetz bereits 1935 eingeführt für die Genehmigung von Wegerechten. Die Netzentgelte werden an die regionalen Übertragungs- und Verteilnetzbetreiber bezahlt, für den Transport und die Verteilung von Energie, sowie Pflege und Instandhaltung des Energienetzes. Abhängig vom jeweiligen Netzbetreiber liegt diese bei knapp über 7 Cent pro kWh. Wenn Sie jetzt alle bisherigen Positionen zusammen rechnen, dann werden Sie feststellen, dass noch ca. 6,5 Cent pro kWh Strom fehlen. Das ist der Betrag der für die Stromerzeugung und den Vertrieb ausgegeben wird.

Was können Sie tun, um Ihre Stromkosten besser im Griff zu haben?

Ich empfehle Ihnen Ihre Stromabrechnung genau zu kontrollieren und z.B. mit Ankündigung einer Preiserhöhung oder mindestens alle 2 Jahre einen Stromanbietervergleich für Ihren Stromverbrauch in Ihrem jeweiligen Wohnort durchzuführen. Gemäß einer Umfrage von PriceWaterhouseCoopers weiß jeder sechste Deutsche nicht, wie viel Geld er im Jahr für seinen Strom ausgibt. Gut zu wissen ist ebenfalls, dass in der Regel der regionale Grundversorger am teuersten ist.


der Autor, Dipl.-Kfm. (Univ.) Ralf Kinauer ist seit über 15 Jahren in der Photovoltaik-Branche und seit über 10 Jahren als Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Soluwa GmbH mit Sitz in Schwaig b. Nürnberg tätig.

Wir lieben Energie-Unabhängigkeit!

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