Photovoltaik steuerliche Betrachtung – Umsatzsteuer und Einkommensteuer

Wer sich für eine Photovoltaikanlage mit oder ohne Stromspeicher entscheidet, damit Strom selbst verbraucht und in das öffentliche Netz einspeist, der muss auch steuerliche Regularien beachten.
Hier sei im Vorfeld bereits angemerkt, dass dieser Artikel keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebt und auch nicht die Beratung eines Steuerberaters zum Thema steuerliche Betrachtungen zu einer Photovoltaikanlage ersetzt.

Grundsätzlich gilt, dass Sie mit der Inbetriebnahme einer Photovoltaikanlage, die an das öffentliche Netz angeschlossen wird, Strom an Ihren Netzbetreiber verkaufen und mit diesem Verkauf eine unternehmerische bzw. gewerbliche Tätigkeit aufnehmen. Diese Tätigkeit müssen Sie einen Monat nach Beginn Ihrem zuständigen Finanzamt mitteilen, ein formloses Schreiben im ersten Schritt ist hierzu ausreichend.

Im Anschluss daran müssen die Grunddaten, wie z.B. Anlagenbetreiber, Zeitpunkt der Inbetriebnahme, Nennleistung der Anlage und prognostizierter Jahresertrag in dem Formular „Fragebogen zur Errichtung und zum Betrieb einer Photovoltaikanlage zur Überprüfung der Umsatzsteuervoranmeldung…“ an das Finanzamt übermittelt werden.

Bei der Photovoltaikanlage sind 2 Steuerarten relevant, die Umsatzsteuer und die Einkommenssteuer. Betrachten wir als erstes die Umsatzsteuer, diese besteuert als Verkehrssteuer den Austausch (Verkehr) von Lieferungen und Leistungen.

Umsatzsteuer

Hier benötigt sowohl Ihr Finanzamt wie auch Ihr Netzbetreiber die von Ihnen als Anlagenbetreiber gewählte Besteuerungsform. Sie haben hier die Wahl einer sogenannten Regelbesteuerung und der Kleinunternehmerregelung. Der wesentliche Unterschied zwischen den beiden besteht darin, dass Sie mit der Wahl zur Kleinunternehmerregelung darauf verzichten, die Vorsteuer aus den Eingangsrechnungen (z.B. die Rechnung Ihres Installateurs über die Anschaffung Ihrer Photovoltaikanlage) beim Finanzamt geltend zu machen, um die Vorsteuer vom Finanzamt erstattet zu bekommen.

Die Abrechnungen des Netzbetreibers an Sie (Vergütung der eingespeisten Kilowattstunden Strom in das Netz) erfolgen in diesem Fall ohne expliziten Ausweis der Umsatzsteuer. Diesen Weg gehen die Besitzer einer Photovoltaikanlage, die möglichst wenig mit dem Finanzamt oder einem Steuerberater zu tun haben möchten.

Entscheidet sich der Anlagenbetreiber für die Regelbesteuerung, so wird er steuerlich wie jeder andere Unternehmer behandelt und muss aus der Stromlieferung an den Netzbetreiber die daraus entstehende Umsatzsteuer, die er von seinem Netzbetreiber erhält, an das Finanzamt abführen.

Die Umsatzsteuer-Voranmeldung ist im ersten Jahr nach Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage monatlich jeweils bis zum 10. des Folgemonats zu erstellen. Meistens, je nach Ort des Finanzamtes, kann bei kleineren Photovoltaikanlagen ab dem dritten Jahr ganz auf die Voranmeldung verzichtet werden, wenn die Umsatzsteuer aus dem Vorjahr einen Betrag von 1.000€ nicht überstiegen hat, ansonsten hat diese quartalsweise zu erfolgen. An seine Entscheidung ist der Betreiber einer Photovoltaikanlage für mindestens 5 Jahre fest gebunden.

Gut zu wissen ist, bei der zeitgleichen Investition in eine Photovoltaikanlage und in einen Stromspeicher, dass die Vorsteuer für den gesamten Investitionsbetrag geltend gemacht werden kann, da beide Gegenstände unternehmerisch genutzt werden und damit dem Unternehmensvermögen zu 100% zugeordnet werden können. Im Gegenzug dafür wird, als Kompensation der Eigenverbrauch (Strom der privat im Haushalt verbraucht wird) als unternehmensfremder Zweck eingestuft, komplett versteuert.

Dieser Umstand bedeutet, dass auf den festzulegenden Wert des Eigenverbrauches, meistens wird dieser mit den Kosten des regulären Bezugsstromes über das Netz (Wiederbeschaffungswert) festgelegt, die entsprechende Umsatzsteuer ebenfalls an das Finanzamt abzuführen ist.
Erfolgt der Kauf eines Stromspeichers als weitere Investition nach der Inbetriebnahme der Photovoltaikanlage, so dient der Stromspeicher nicht dem unternehmerischen Zweck der Herstellung von Strom, deshalb kann die Vorsteuer beim Finanzamt nicht geltend gemacht werden.

Einkommensteuer

Die Einkommensteuer besteuert als Ertragssteuer die Einkünfte, also den Gewinn und ist komplett von der Betrachtungsweise zur Umsatzsteuer zu trennen. Als Gewinn bezeichnet man den Unterschiedsbetrag zwischen den erhaltenen Einnahmen (hier: Einspeisevergütung vom Netzbetreiber) und den Betriebsausgaben. Dieser ist in der jährlichen Einkommensteuererklärung (verpflichtend für Gewerbetreibende) anzugeben.

Die Höhe der Einkommensteuer richtet sich nach Ihren jeweiligen persönlichen Einkommensverhältnissen. Entscheiden Sie sich für die Regelbesteuerung bei Ihrer Photovoltaikanlage und sind damit Gewerbetreibender, so müssen Sie einmal im Jahr eine Gewinn-/Verlustberechnung (Einnahme-Überschussrechnung) erstellen. Betragen die Betriebseinnahmen weniger als 17.500€ im Jahr, dies trifft im privaten Einfamilienhausbereich i.d.R. zu, so kann diese formlos erfolgen.

Als Einnahme wird zu der erhaltenen Einspeisevergütung auch der Eigenverbrauch hinzugerechnet. Der Eigenverbrauch oder auch Entnahme für den privaten Haushalt bezeichnet, wird nach den allgemeinen ertragssteuerlichen Grundsätzen bewertet, einkommenssteuerlich sind das die Wiederbeschaffungskosten.

Als Betriebsausgaben werden alle Aufwendungen wie z.B. Versicherung, Porto, Beratungskosten, Zählergebühr, etc., die durch die Photovoltaikanlage veranlasst wurden erfasst. Hierunter fällt auch die Normalabschreibung (AfA-Absetzung für Abnutzung), die für Photovoltaikanlagen jährlich für eine steuerliche Nutzungsdauer von 20 Jahren linear mit 5% vom Anschaffungswert anzusetzen ist.

Ergänzend gilt noch zu erwähnen, dass bei Photovoltaikanlagen unter bestimmten Voraussetzungen, neben der linearen Abschreibung auch die Möglichkeit der Sonderabschreibung besteht, in Höhe von bis zu 20% der Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten, beliebig verteilt auf die ersten fünf Jahre.

Durch die Möglichkeit des Investitionsabzugsbetrages, hier müssen jedoch auch weitere Anspruchsvoraussetzungen vorliegen, können im ersten Jahr sogar bis zu 40% der Anschaffungskosten geltend gemacht werden und tragen dadurch in vielen Fällen zu höheren Steuervergünstigungen bei.

Der Betrieb einer Photovoltaikanlage zur Stromerzeugung auf dem eigenen Hausdach bei seiner Stadt oder Gemeinde ist nicht erforderlich. Da auch i.d.R. durch diese gewerbliche Tätigkeit der Gewinn dieser unternehmerischen Tätigkeit unter 24.500€ im Jahr liegt, entfällt die Gewerbesteuer.


der Autor, Dipl.-Kfm. (Univ.) Ralf Kinauer ist seit über 15 Jahren in der Photovoltaik-Branche und seit über 10 Jahren als Geschäftsführender Gesellschafter der Firma Soluwa GmbH mit Sitz in Schwaig b. Nürnberg tätig.

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